Nachhaltige IT mal anders
Nachhaltigkeit ist das Modewort der letzten Monate. Durch die Finanzkrise anscheinend urplötzlich darüber belehrt, dass kurzfristiger Profit langfristig nicht unbedingt zu den besten Ergebnissen führt, wollen alle nun nur noch nachhaltig sein. Auch in der IT. Aber: nachhaltige IT, was ist das eigentlich? Ist das der kleine grüne Aufkleber mit einem blätterbewachsenen Stecker und dem Schriftzug “Green IT”, der auf meinem Notebook prangt? Oder das 100-Dollar-Notebook der One Laptop per Child-Initiative, dass Kindern in ärmeren Ländern den Zugang zu moderner Informationstechnologie unabhängig von den finanziellen Verhältnissen ihrer Familien geben soll? Das sind zwei ökologische und soziale Aspekte der IT-Nachhaltigkeit, die in den Medien relativ präsent sind. Darüber dass auch in anderen Bereichen der IT die Nachhaltigkeit eine Rolle spielen kann, liest man dagegen seltener.
Neben der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit gibt es nämlich auch noch die ökonomische Nachhaltigkeit, welche Wikipedia wie folgt beschreibt: “Eine Wirtschaftsweise gilt also allgemein dann als nachhaltig, wenn sie auf lange Zeit funktioniert und dauerhaft betrieben werden kann.” Und was für den Kapitalismus im Allgemeinen und für Banken im Moment ganz besonders und im Speziellen gilt, lässt sich meiner Meinung nach auch sehr gut auf den Bereich Softwareentwicklung und -qualität anwenden.
Schon häufig habe ich es erlebt, dass Software in den Produktivbetrieb genommen wurde, die wissentlich zu diesem Zeitpunkt noch in hohem Maße fehlerbehaftet war. Die Softwareentwickler wissen es, der Vertrieb weiß es und die Geschäftsleitung weiß es auch. Die Software funktioniert zwar, aber eben nicht besonders toll - sie schmeißt mit Laufzeitfehlern nur so um sich, bestimmte Buttons funktionieren noch nicht und die Fenstergrößen reichen teilweise für die Anzeige der Inhalte nicht aus. Aber der Kunde wird das schon nicht merken. Und wenn er es doch merkt - naja, dann regt er sich halt kurz auf und dann regt er sich aber auch irgendwann wieder ab. Und wenn er ein langjähriger Kunde ist, dann weiß er sowieso schon, dass die Aufregung sowieso nichts bringt. Das nächste Bugfix kommt in einigen Monaten bestimmt und als Marktführer in unserem Bereich können wir uns das auch alles problemlos erlauben.
Diese Einstellung, welche in vielen Softwarehäusern mehr oder weniger offener vertreten wird, ist nicht nur ziemlich arrogant, sondern auch langfristig ziemlich gefährlich. Und ganz bestimmt nicht nachhaltig. Kurzfristig schafft man es zwar, den Release-Zyklus einzuhalten und regelmäßig ein neues kostenpflichtiges Upgrade auf den Markt zu bringen. Das bringt den Kunden aber nicht wirklich weiter, er wird immer unzufriedener. Und wenn dann doch ein anderes Produkt verfügbar ist, dass den Sinn und Zweck ebenso gut erfüllt, dann ist der Kunde schwupp-di-wupp auch weg.
Deswegen gehört für mich zum Thema nachhaltige IT der Bereich Software- und auch Dienstleistungsqualität immer dazu. Es geht hierbei nicht darum, möglichst schnell einen Rollout zu machen oder so viele fakturierbare Leistungen wie irgendwie geht anzusammeln. Sondern darum, dass die Beziehung zum Kunden auf lange Zeit funktioniert - denn nur dann hat ein Unternehmen eine Chance, dauerhaft profitabel zu bleiben.
Interessante Einsicht. Ich selbst suche gerade danach, was Nachhaltigkeit in Unternehmen, insbesondere im IT-Bereich so alles leisten kann. “Green IT” ist dabei auch in gewisser Weise inzwischen ein Modewort geworden. Fair Trade IT beispielsweise hat bisher noch kaum jemand gedacht, insbesondere wo doch die Rohstoffe teilweise noch immer aus Bürgerkriegsgebieten wie Kongo kommen.
Aber ich denke auch, dass Nachhaltigkeit in der Sache selbst wichtig ist, nämlich dass Software auch noch in 5 Jahren stabil laufen kann ohne dass der Computer explodiert oder gleich ein Virus drauf ist. Hinzu kommt aber noch, dass Softwarehersteller immer eigene Standards setzen wollen statt sich an etablierte Dateiformate und Schnittstellen anzupassen. Zum Glück hat der Webbereich mit seiner Open Source Stärke hier eine gewisse Wende initialisiert.