Wer ist eigentlich “er”?
Nachdem mich gestern ein Vortrag von Ossi Urchs (ein Mensch mit Rauschebart, der sich gerne Internet-Visionär nennt) ein bisschen philosophisch gestimmt hat, heute mal ein geisteswissenschaftlich angehauchter Beitrag.
Mir ist nämlich gerade aufgefallen, dass ich und meine Kollegen oft “er” sagen, wenn wir über das Verhalten einer Software bzw. eines IT-Systems sprechen. Sätze wie “Den Wert nimmt er nicht an”, “Erkennt er das nicht automatisch?” oder “Dann prüft er das Verzeichnis auf neue Dateien” sind da ganz alltäglich. Aber ich denke, dass sich niemand jemals wirklich gefragt hat, wer “er” eigentlich ist. Grammatikalisch korrekt heißt es ja die Software oder das System, so dass wir eigentlich sagen müssten “Sie will nicht so wie ich” oder “Was macht es denn jetzt schon wieder?”. Aber solche Sätze höre ich - auch von mir selbst - eigentlich nie. Wer ist denn jetzt nun eigentlich mit “er” gemeint: Der Computer? Der Programmierer, der uns augenscheinlich im Moment an der Nase rumführt? Wie auch immer, ich finde diesen vollkommen selbstverständlichen Sprachgebrauch irgendwie ulkig - und wäre ich jetzt auch ein Visionär, würde ich jetzt wahrscheinlich versuchen, das als klares Anzeichen zu deuten, dass nicht die Maschinen die Menschen maschineller machen, sondern wir die Maschinen menschlicher!