Müssen Projektmanager zertifiziert sein?
Vor ein paar Wochen hatte ich ein recht interessantes Gespräch mit einem Personalberater. Er hatte den Kontakt gesucht, weil er mir eine Stelle anbieten wollte. Da ich jedoch im April bereits eine neue Stelle antreten werden, habe ich dankend abgelehnt. Daraufhin meinte er wohlwollend, er könne mir noch ein paar Tipps geben, wie ich meine Karriere in IT-Projektmanagement und –Beratung noch besser pushen könnte. „Zuhören kostet nichts”, dachte ich mir und beschloss, mir seine Ratschläge einfach mal anzuhören. „Wenn Sie Projektmanagement machen wollen, müssen Sie sich zertifizieren lassen”, sagte er. Wirklich? Muss ich das? Was bringt es mir und was kostet es?
Die beiden in Deutschland am bekanntesten Anbieter für Projektmanager-Zertifikate sind laut dem Personalberater die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. (GPM) und das international operierende Projekt Management Institute (PMI). Die Webseiten beider Anbieter erschließen sich dem Besucher nicht unbedingt sofort (man könnte fast sagen, sie sind etwas unübersichtlich), so dass ich hier einmal versuche, einen tabellarischen Vergleich der beiden Zertifikate aufzustellen.
PMI gegen GPM
Wirklich überzeugt hat mich nach dem Vergleich allerdings keines der beiden Programme. Die PMP-Zertifizierung erscheint auf den ersten Blick kostengünstiger, allerdings gibt ein Blick auf die Gültigkeitsdauer Grund zur Annahme, dass die Erhaltung des Zertifikats eine recht zeit- und kostenaufwändige Angelegenheit werden könnte. Will man beispielsweise die PDUs über die Teilnahme an Projektmanagementseminaren sammeln, gehen dafür in drei Jahren auf jeden Fall ca. 8 Urlaubstage und ca. EUR 8000 drauf – wenn man annimmt, dass ein Seminartag mit durchschnittlich EUR 1000,- zu Buche schlägt
Bei der GPM kostet zwar dagegen die Zertifizierung und die Verlängerung selbst mehr, die Verlängerung der Gültigkeit klingt allerdings beim ersten Lesen weniger stressig und teuer. Beim zweiten Lesen machen mich allerdings die weichen Bewertungskritierien, die festlegen, ob das Zertifikat bzw. die Verlängerung gewährt werden, stutzig. Ich nehme zwar an, dass Zertifikatanten von der GMP dahingehend beraten werden, dass sie diese Kriterien auf jeden Fall erfüllen können. Trotzdem habe ich hier eher das Gefühl, dass ich nicht genau weiß, woran ich bin – das PMI kommt mit seinen klaren quantifizierbaren Vorgaben einfach offenherziger und kalkulierbarer rüber.
Dem gegenüber steht allerdings wieder die kürzere Gültigkeit des PMP-Zertifikats. Außerdem kann der pädagogische Anspruch der PMI-Prüfung wohl mit Recht als nicht besonders hoch eingeschätzt werden. Dies sieht bei der GPM schon anders aus, wo mich der Prüfungsablauf vom Umfang her schon ein wenig an meine Abiprüfung erinnert - aber das war damals wenigstens umsonst und seine Gültigkeit verliert es auch nicht!
Jeder nach seinem Geschmack
Letztlich ist es wohl Geschmacksache, ob man für die Zertifizierung das PMI oder die GMP wählt. Außerdem spielt natürlich hinein, ob man plant, sich im anglo-amerikanischen Raum zu betätigen (hier ist die PMI-Zertifizierung bekannter) oder sich eher auf Europa beschränkt (wo der IPMA-Standard geläufig ist). Ein klares Ergebnis, wo die Zertifizierung einfacher oder besser ist, kann ich jedenfalls nicht finden. Auch darüber, ob eine Zertifizierung für Projektmanager wirklich ein Must-have ist, bin ich mir nach meinen Recherchen noch nicht wirklich sicher. Bestimmt kann es für junge Arbeitnehmer oder Freiberufler ohne viel Berufserfahrung ein Türöffner zu interessanten Arbeitgebern und Projekten sein. Auf der anderen Seite liegen – wie man ja an diesem Blog schon ganz gut sehen kann – in Projekten Theorie und Praxis oft meilenweit auseinander, so dass sicherlich kein Zertifikat der Welt praktische Projekterfahrung ersetzen kann.
Quellen:
http://www.gulp.de/kb/it/projekt/zertifizierungPM.html