Akzeptanztest mit Endusern? - Lieber nicht…

Für heute nachmittag ist bei meinem Mittelständler der Akzeptanztest für ein neues Modul der hiesigen ERP-Software (Individualentwicklung) angesetzt. Das neue Modul beinhaltet die elektronische Signatur und das ist relativ tricky, weil dieses Unternehmen mit dieser Technologie in vorherigen Projekten noch nie in Berührung gekommen ist. Außerdem ranken sich um das neue Softwaremodul verschiedene betriebliche Prozesse in verschiedenen Prozessvariationen. Ob eben diese von dem neuen Modul abgedeckt werden, das soll der Test heute rausfinden. Am Test sollen nebst mir und einer Kollegin aus dem Rechenzentrum zwei Mitarbeiter aus zwei unterschiedlichen Fachabteilungen, die das Moduls später hauptsächlich nutzen werden, teilnehmen.

Zwei Stunden vor Testbeginn ruft mich der Kollege aus der Fachabteilung A an. Er wolle nur mal eben Bescheid sagen, dass krankheitsbedingt ein Kollege ausgefallen ist und er diesen Kollegen nun vertreten soll. Von seinem Chef hätte er ordentlich Druck gekriegt und könne darum nicht ganz bis zum Ende mittesten. Das wäre aber ja nicht so schlimm, denn sein Kollege (der, wie schon erwähnt, aus einem ganz anderen Fachbereich kommt) wäre ja noch da.

Für mich ist diese Situation typisch für den Umgang mit Akzeptanztests in vielen Unternehmen. Diese Tests werden leider häufig von den Fachabteilung nicht sonderlich ernst genommen. Unser Test zum Beispiel wurde seit einer Woche geplant und damals war die Situation bezüglich Krankheitsvertretung schon bekannt. Der Projektleiter hat jedoch in der Projektrunde zugesagt, dass für den Kollegen aus Fachbereich A eine Vertretung gefunden werden würde. So richtig geklappt hat das aber offensichtlich nicht. Ich habe meinem Kollegen angeboten, zur Klärung der Vertretung noch einmal mit dem Projektleiter zu sprechen. Aus Angst vor Ärger mit seinem Chef war das aber das Letzte, was mein Kollege wollte.

Wir werden jetzt einen zweiten Termin ansetzen, falls der Test heute nicht beendet werden kann. Das ist zwar ärgerlich, weil es alle Beteiligte wieder Zeit kostet, aber meiner Meinung nach immer noch besser, als den Akzeptanztest nur unvollständig durchzuführen. Denn wer kann besser beurteilen als ein kompetener Enduser aus der jeweiligen Fachabteilung, ob das neue Modul alle Prozesse seiner Abteilung abdeckt? Das weiß der Kollege aus der Nachbarabteilung nicht und der IT’ler noch weniger. Auf der Notwendigkeit von Tests herumzureiten, bringt einem zwar keine zusätzlichen Beliebtheitspunkte bei den Kollegen - aber das tut ein Modul, in dem die Halfte der betrieblichen notwendigen Features fehlt, erst recht nicht. :)

Tuesday, January 13th, 2009 at 21:53
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