Wollen müssen

Posted on Monday 13 November 2006

Schon bevor ich bei Nehlsen angefangen habe, hatte ich mit Michael die Diskussion über arbeiten wollen oder arbeiten müssen. Wann immer ich darüber jammere, dass mich die Arbeit unfrei macht, weil sie mir wertvolle selbstbestimmte Zeit wegnimmt, hält Michael dagegen, dass ich ja arbeiten wolle. Worauf ich sage, dass das nicht stimmt und dass ich nur arbeite, weil ich es eben muss. Dann sagt Michael immer: “Dann melde Dich doch arbeitslos, dann kriegst Du Geld vom Staat und alles ist gut.” Worauf ich dann erwidere, dass ich kein Schmarotzer sein will und dass ich - obwohl ich nicht allzu großen Wert auf Luxus lege - auf ein Leben auf Hartz 4-Niveau kein Bock habe. Dann sagt Michael meist, ich solle mir dann doch einen anderen weniger anstrengenden Job suchen, irgendeinen Teilzeitjob, bei dem ich weniger verdiene und der an sich nicht weiter spannend ist, aber bei dem ich mehr Freizeit habe.

Und überhaupt sei es ganz normal zu arbeiten, jeder müsse das. Andere Leute wären außerdem glücklich, wenn sie meinen Job hätten. Ich solle doch mal an unsere Nachbarn denken, die sich seit 30 Jahren abschuften und deren Gehalt wahrscheinlich nur knapp über liegt. Und ich wolle ja auch arbeiten. Aber das stimmt gar nicht! Ich will gar nicht! Aber ich muss! Ich muss arbeiten wollen, weil ich nicht arbeitslos sein will und auch keinen stumpfsinnigen Job machen will, wie Pommes verkaufen oder Zeitung austragen. Einfach nur müssen reicht halt nicht, wo bleibt denn da die Motivation! Man muss auch wollen! Ach, ich will so gerne arbeiten wollen.


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